Edition AV: Neuerscheinungen Herbst 2012

Stefan Gurtner
Guttentag
Das Leben des jüdischen Verlegers Werner Guttentag zwischen Deutschland und Bolivien
ISBN 978-3-936049-68-6
550 Seiten
24,50 €

Literatur und Bolivien? Unvorstellbar! Und doch gibt es sie! Dank eines deutsch-jüdischen Flüchtlings namens Werner Guttentag, der ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als die Nazis die Bücher verbrennen, seine Liebe zu ihnen entdeckt. Gedruckte Worte sind für ihn der Schlüssel zum Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und Ignoranz. Er sieht in ihnen ein Sprachrohr, nicht nur um Missständen zu begegnen, sondern auch um der Bevölkerung Boliviens (mehrheitlich Indigene) ein Selbstbewusstsein/ihren Stolz (zurück)zugeben, in dem er ihre Geschichte, ihre Traditionen, eingebettet in die Schönheit und Vielfältigkeit ihres Landes, veröffentlicht. Er eröffnet zunächst einen Buchladen, gründet einen Verlag, ruft einen Buchpreis ins Leben, in dessen Jury niemand Geringerer als der Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa sitzt, der Guttentag als seinen Freund, den „großen bolivianischen Verleger und Buchhändler“ bezeichnete. Er trifft auf Klaus Barbie und wird hineingezogen in den Strudel im Kampf um Che Guevara.

Hans Jürgen Degen
Kapitalismus in der Insolvenz?
Über Kapitalismus. Eine Streitschrift
ISBN 978-3-86841-071-6
165 Seiten
14 €

Der „Raubtierkapitalismus“ ist nicht zu zügeln. Wer den Kapitalismus nicht mehr will, muss ihn vernichten. Mit „Reformen“ geht das nicht. Kapitalismus ist kein unverfängliches Credo. Seine Praxis ist entlarvend. Wer es wirklich noch nicht wusste und spürte: Die Vermarktung und Entblößung allen Lebens durch das kapitalistische System ist total. Nichts wird da wirklich ausgelassen. Deshalb sind in ihm auch nur dieses abstoßendes Beispiel Spekulationen mit Lebensmitteln „normal“; der „Hunger“ ist ihm auch nichts anderes als „Ware“. Aber „die Folgen sind verheerend: Großspekulanten und Kleinanleger treiben die Preise für Lebensmittel in die Höhe und stürzen Millionen in Armut und manchmal sogar in den Tod.“

Louis Gill
George Orwell
Vom spanischen Bürgerkrieg zu 1984
Übersetzt von Michael Halfbrodt
ISBN 978-3-936049-66-2
165 Seiten
16 €

Orwell, der nach Spanien gekommen war, um gegen den Faschismus zu kämpfen, sollte im Laufe dieser sechs Monate auf dem Schlachtfeld die Bekanntschaft eines weiteren, nicht weniger gefährlichen Feindes machen, des Stalinismus. Außer einer Schilderung seiner Kriegserlebnisse an der Front ist Mein Katalonien auch der Bericht, der über diese Entdeckung Zeugnis ablegt. Faschismus und Stalinismus off enbaren sich ihm als die beiden Seiten ein und desselben Monstrums, des Totalitarismus, den er dann in 1984 und Farm der Tiere treff end beschreiben wird. Orwell bezeichnete seine Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg als die wichtigste Erfahrung seines Lebens, die alles Weitere beeinflusste.

Norbert „Knofo“ Kröcher
… Warum mir die Linke
Knieschüsse oder: Die Kritik als Waffe
ISBN 978-3-86841-080-8
150 Seiten
12 €

„Wozu die ellenlangen Elaborate über Schimären wie ‘Staatsrecht’, ‘parlamentarische Kontrolle’, ‘Grundgesetz’ etc. Die Machthaber heißen Machthaber, weil sie Macht haben und deshalb alles machen können.
Überlegt Euch lieber, was WIR machen können.“
Knofo

Norbert Kröcher, genannt Knofo, Jahrgang 1950 war Mitglied der Berliner Haschrebellen, Gründungsmitglied der Bewegung 2. Juni und in Folge dessen fünf Jahre steckbrieflich gesucht im Untergrund (u.a. in Schweden), und acht Jahre in „strenger Einzelhaft“, die Hälfte davon in Isolationshaft in allen möglichen Hochsicherheitsknästen in Deutschland.
Knofo hat seine Wut behalten, und die drückt er manchmal in Texten aus nicht ohne bösen Humor und messerscharfe Ironie. Es kann jede und jeden treffen, da gibt es keine falsche Kumpanei. Ein Arschloch ist ein Arschloch.

Jochen Koblauch

Birgit Seemann
“Mit dem Besiegten” Hedwig Lachmann (1865-1918): deutsch-jüdische Schriftstellerin und Antimilitaristin
Überarbeitete und aktualisierte Neuauflage
Siegbert Wolf (Herausgeber), Uwe Rausch (Illustrator), Birgit Seemann (Autor)
ISBN 978-3-86841-073-0
173 Seiten
16,00 €

Im Interview (2008) bekannte der US-amerikanische Filmregisseur Mike Nichols: “Ich bin vorbelastet. Meine Großmutter Hedwig Lachmann schrieb das Libretto zu “Salome”. Sie übersetzte Oscar Wilde (…) ins Deutsche und arbeitete mit Richard Strauss am Libretto”. Die Schriftstellerin, Lyrikerin, Übersetzerin und Antimilitaristin Hedwig Lachmann (1865–1918) war lange vergessen. Das Buch zeichnet ihre geistige und künstlerische Entwicklung nach: das jüdische Elternhaus und die Beziehung zum Vater, dem Kantor und Musikgelehrten Isaak Lachmann, die kulturellen Erfahrungen in England und Ungarn, der Kreis um den ‘Dichterfürsten’ Richard Dehmel, das Engagement gegen den Ersten Weltkrieg. Über Hedwig Lachmanns ehelichen “Bund” mit dem anarchistischen Kulturphilosophen Gustav Landauer, schrieb Hermann Sinsheimer: “Sie waren zwei Menschen wie auf Flügeln, und sie waren zusammen eine Einheit (…).”

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Bücher veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.